Helmut Zerlett

Filmkomponist &
Musical Director
Helmut Zerlett lebt und arbeitet in Köln. Im Alter von 13 Jahren hat er erste Live Auftritte mit seinem langjährigem Freund und Wegbegleiter Stefan Krachten, mit dem er später die New Wave Band „Dunkelziffer“ und das Dancefloor Projekt „The Unknown Cases“ gründet. Auch in der später von Stefan Krachten formierten Band „Trance Groove“ war er festes Mitglied am Synthesizer.
1981 hatten „The Unknown Cases“ mit der Komposition und Produktion der 12″ Single „Masimbabele“ mit Reebop Kwaku Baah (Traffic, Can, Jimmy Cliff, Bob Marley, Rolling Stones) als Sänger und Percussionisten einen außergewöhnlichen Chart-Erfolg (über 100.000 verkaufte Exemplare) und galten bald als Mitbegründer des „Ethno-Dancefloors“. John Peel (legendärer BBC Moderator und DJ) war ein Fan der ersten Stunde: »one of those tracks you wish would never end«. Gleichzeitig begann Helmut Musik für Filme („Last Trip to Harrisburg“ mit Udo Kier und Rainer Werner Fassbinder) zu komponieren.
Ein wesentlicher Schritt in seinem Leben bedeutete die Zeit im legendären CAN-Studio: Über viele Jahre arbeitete er zusammen mit Rosko Gee (Traffic, Can, Stomu Yamashta), Jaki Liebezeit und Stockhausen-Schüler Holger Czukay an diversen Produktionen. René Tinner, (experimentierte 1977 mit Lou Reed in New York an „Kunstkopf“-Aufnahmen) Gründer des CAN-Studios und Produzent vieler namhafter Künstler, lehrte ihm die wesentlichen Aspekte der Musikproduktion. Helmut wirkte in Folge bei vielen Alben mit (Jim Capaldi, Joachim Witt, Stefan Remmler, Haindling, Jule Neigel Band, Marius Müller Westernhagen, Julian Dawson, u.a.). René Tinner war auch für den Mix von „Masimbabele“ verantwortlich und trug damit einen großen Teil zu dem Erfolg der Maxi Single bei. Helmut Zerlett: »Ich bin sehr stolz, dass ich auf dem Album von Jim Capaldi „Living on the Outside“ unter anderem mit meinem Hero George Harrison zusammen spielen durfte«. Mit Joachim Witt, einem der erfolgreichsten Künstler der „Neuen Deutschen Welle“, arbeitete Helmut dann im Studio und auf der Bühne. Und bei Westernhagen war er in Folge über 20 Jahre fester Bestandteil der Band.
Als Musikproduzent wurde er ab 1985 für diverse Künstler in London (Abbey Road, Mayfair, Matrix) und in New York (Sigma Sound, Power Station) tätig. Besonders bekannt wurde er als Musical-Director, Organist und Sidekick der Late-Night-Shows mit Harald Schmidt von 1995 bis 2014 in über 1.800 Sendungen. Auch hier war sein Mentor Rosko Gee, der ihn in seiner Schulzeit wortwörtlich fast täglich in seinem Elternhaus abholte, um im Can Studio zu arbeiten, stets als Bassist zu sehen. Auch der geniale Saxophonist Mel Collins (King Crimson), den er bei Marius kennen gelernt hatte, war von Anfang an im Team. Die Formation „Helmut Zerlett & Band“, die für die Harald Schmidt Show gegründet wurde, spielt nach wie vor in unterschiedlichen Besetzungen. Als Helmut 2023 die musikalische Leitung der Preisverleihung des Adolf Grimme Preises übernommen hatte, ist die Band wieder als TV-Showband, bisher jedes Jahr in Folge, zu hören und zu sehen.
1995 bekam er von Hermann Joha die Anfrage, Musik für eine neue Action Serie („Der Clown“) zu komponieren. Dies war der Beginn einer leidenschaftlichen Arbeit, in der Zerlett seine Liebe zur Filmmusik wieder finden konnte. Für die Plattenfirmenwelt war er stilistisch viel zu breit aufgestellt, als dass man ihn in eine Schublade stecken konnte, was hier nun zum Vorteil wurde. Helmut Zerlett: »Ich werde oft gefragt, welche Musik ich selber am Liebsten höre, ich antworte dann meistens: „Musik, die mit Liebe gemacht wird und mein Herz berührt; da gibt es praktisch keinen Ausschluss für irgend ein Genre“ Es gibt so unendlich viel wunderbare Musik auf der Welt, wieso sollte ich mich da verschliessen?«. Es folgten viele Filmprojekte und als er, auf expliziten Wunsch der fantastischen Schauspielerin Anna Thalbach, die Regisseurin Petra K. Wagner kennen lernte und die Musik für seinen ersten Kinofilm „Maria an Callas“ produzieren durfte, wurde ihm klar, dass er sein Wissen um die Orchestermusik ausbauen musste.
Mit dem Filmkomponisten und Professor Andreas Weidinger und dem Dirigenten, Komponisten und Orchestrator Frank Heckel fand er zwei Koryphäen, bei denen er die Grundzüge der Orchestration lernen durfte. »Frank ist einer der wenigen Menschen, die ich auch am Wochenende mitten in der Nacht anrufen kann, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Sowas geht nur mit wirklichen Freunden!« Frank orchestrierte und dirigierte auch alle seine letzten orchestralen Filmmusiken beim Deutschen Filmorchester Babelsberg.
Helmut Zerlett ist Vorstandsmitglied der DEFKOM (Deutsche Filmkomponist:innen Union) und Mitglied der Deutschen Filmakademie.
Kino (Auszug): „Maria an Callas“ (2004), „Neues vom Wixxer“ (2006), „Kein Bund für’s Leben“ (2006), „Jerry Cotton“ (2010), „Das Haus der Krokodile“ (2012), „Die Vampirschwestern“ (2014–2016), „Die Mannschaft“ (2014), „Robbie Tobbi und das Fliewatüüt“ (2016), „Forget About Nick“ (2017), „Der Vorname“ (2018), „Kalte Füße“ (2019), „Enkel für Anfänger“ (2020), „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (2021), „Der Nachname“ (2022), „Mein Lotta Leben – Alles Tschaka mit Alpaka“ (2022), „Enkel für Fortgeschrittene“ (2023) „Der Spitzname“ (2024), „Sunny“ (2025), „Die Ältern“ (2026), „Der Regenbogenfisch“ (2026)
TV (Auszug): „Der Clown“ (1995-2000), „Rennschwein Rudi Rüssel“ (2007-2009), „Hotel Heidelberg“ (2015), „Mord in bester Gesellschaft“ (2016), „Über die Grenze“ (2016-2020), „Billy Kuckuck“ (seit 2018), „Martha und Tommy“ (2020), „Faking Hitler“ (2021), „Du sollst hören“ (2022), „Einspruch Schatz“ (2023), „Für immer Sommer“ (2024), „Die Kinderschwindlerin“ (2025), „Kristina Mahlo“ (2025), „Der letzte Bulle“ (2025), „Weihnachtsüberraschungen“ (2025), „Jossi“ Mini-Serie (2026)
